EIN RÜCKBLICK - Damian erzählt seine Geschichte

Damian Breu – Im Grunde ist Gin für mich stets ein Getränk gewesen, das man nur mit bitteren Sachen mischen kann wie Tonic Water. Fabio war der erste, der mir die Welt von Gin aus einer anderen Perspektive zeigte. Kennengelernt hatte ich ihn auf einem Eltern-Kind Wochenende für Schwerhörige Kinder. Ich durfte dort aus meiner Kindheit als Schwerhöriger berichten. Als Student hat man für gewöhnlich kein Auto und so fuhr mich Fabio nach Hause. Das ist nun schon Jahre her.

Die Autofahrt änderte für mich den Blick auf Gin. Wenige Tage später durfte ich bei ihm ein Getränk probieren. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Getränk so überzeugen konnte. Es war GinGillard. Fabio erzählte mir damals, dass er seit Jahren versucht das Produkt auf den Markt zu bringen. Ich – ein ehemaliger Lebensmittel-Startupler – war sofort dabei. Für mich war eins klar. Wenn der erste Schluck von einem alkoholischen Getränk nicht zu einem verzerrten Gesicht führt oder gewöhnungsbedürftig ist, wie es bei vielen Spirituosen ist, sondern prickelnd und wohlig das Gesicht erhellt, dann werde ich nicht der einzige sein, der so begeistert von dem GinGillard sein wird. Es musste also funktionieren. Anders konnte ich es mir nicht vorstellen.

Ein kräftiges Händeschütteln und motivierte Zukunftspläne zeichneten den Beginn einer tollen Partnerschaft. Wir hatten nur ein Ziel: Wegen dem GinGillard nicht jeden Tag in der Ecke liegen, sondern den Menschen einen Lächeln auf das Gesicht bringen. Aber aller Anfang ist schwer – Und auch teuer.

Es gab so viele Fragen zu beantworten. Dürfen wir einfach so Alkohol verkaufen? Gibt es besondere Steuern? Was sagt das Lebensmittelrecht dazu? Nach und nach konnte man die Fragen beantworten. Als nächstes kam die Frage, woher wir Flaschen und ein Design bekommen können. GinGillard als Name war von vorneherein klar. In der ganzen Euphorie hatte man eine Flasche, welche in kein Regal passte und sehr teuer war. Wir mussten teuer die Rohstoffe einkaufen und den ganzen Keller umbauen, damit wir produzieren konnten. Als wir alles hatten, hatten wir ein Problem. Wir haben keine Ahnung, wie man Gin produziert. Also woher kriegen wir dann Gin?

Über 10 Ecken kamen wir zum Feels! Gin von Korbinian Achternbusch. Eine kleine feine Destillierie in Pasing – München. Korbinian hatte damals genauso angefangen wie wir. Heute findet man seinen Gin sogar in Hamburg. Von ihm holten wir Literweise den Gin, um den Gin weiter zu produzieren. GinGillard ist nämlich nicht einfach nur Gin. Es ist die Weiterentwicklung von Gin. So machten wir uns mit 20 Liter Gin ans Werk und kämpften ein ganzes Wochenende lang. Am Ende hatten wir es geschafft. 15 Flaschen GinGillard. Es waren zwar wenige Flaschen, aber die waren unser ganzer Stolz. Endlich hatten wir etwas in der Hand, was man in die Welt setzen konnte. Und das Design von Dominik Nimar war super. Ab dem Moment beschlossen wir, dass wir Dominik auch ins Boot holen müssen. Was er anfasst, wird ein Kunstwerk. Und als er GinGillard probierte, erhellten sich seine Augen wie meine. Er war vom Getränk genauso überzeugt wie ich.

Man spricht in der Startup-Szene oft von FFF. Familie und Freunde erhielten daher die ersten 15 Flaschen. Das Feedback? Keiner hat sich beschwert und wenige Tage später fragte man schnell, dass man mehr benötigte. Mit dem ersten eingenommenen Geld konnten wir die nächsten 30 Flaschen produzieren. Die waren ebenfalls schnell weg. So kamen die nächsten 70 Flaschen und wir an unsere Grenzen. Man darf nicht vergessen, dass Fabio eine Familie hat und Arbeiten gehen musste. Ich war mit Studieren beschäftigt. So konnten wir nur am Wochenende produzieren und unsere Produktionslinie war sehr kompliziert. Mehr als 70 Flaschen pro Woche mit sehr vielen Muskelkatern und Rückenschmerzen, sowie Verbrennungen, konnten wir nicht schaffen. Aber wir wollten wachsen.

So produzierten wir einen ganzen Kanister GinGillard und gingen auf die Summernight Party für Gehörlose. Es gab eine GinGillard Bar und eine normale. Beide nebeneinander. Nach 4 Stunden waren wir ausverkauft und die Bar neben uns bat uns weniger zu verkaufen, da er sonst keine Einnahmen machen könne. Fast jeder auf dieser Party trank GinGillard. Es war der Wahnsinn. Wir wussten ab dem Moment, dass nicht nur FFF GinGillard liebten, sondern auch andere schnell dem GinGillard verfallen sind.

Also wie weitermachen? Wir wollten in die Bars und Restaurants. Getränkemärkte sollten das Getränk verkaufen. Also starteten wir einen Versuch in München und besuchten verschiedene Läden. Es war Katastrophal. Wir haben als Schwerhörige/Gehörlose die Bar Besitzer nicht verstanden. Es kam also kaum zu einer Konversation, wo wir das Getränk hätten verkaufen können. Enttäuscht sind wir nach Hause. Wer nicht telefonieren kann und bei Störgeräuschen nur bedingt Verhandlungen führen kann, kann auch schwer nur verkaufen. Das war unsere erdrückende Erkenntnis.

Aber wo Probleme sind, sind auch Lösungen. Wir wollten nicht klein bleiben. So fand Fabio den Markus. Das fehlende Glied im Team rund um GinGillard. Einer der hören kann! Einer, der das alles kann, was wir nicht können. Und auch bei ihm, war nach dem ersten Schluck das Feuer zu spüren. Im Team fest dabei, konnten wir ihn nichtmehr bremsen. Wir brauchten eine neue Produktion, ein neues Design und vor allem eine Flasche, die in den Kühlschrank passt. Wir mussten umstellen, wenn wir wachsen wollen. Alles zu zweit im Keller machen, war keine Option mehr, für die Ziele, die wir hatten. Und Markus stürmte dabei nach vorne und nahm alles in Angriff, was nicht Niet- und Nagelfest war. Markus zeigte uns, was es bedeutete zu verkaufen.

Um die Produktion umzustellen fanden wir The Duke Gin. Über eine Netzwerkveranstaltung kam ich damals mit ihm in Gespräch und fragte schnell, ob man den Gin verwenden könnte von TheDuke. Für die TheDuke Edition. Markus hatte damals aber eine bessere Idee. The Duke hat auch klein angefangen in München und ist Pionier in der deutschen Gin-Szene. 10 Jahre lang haben sie sich ein Gin Imperium aufgebaut. Also hatten sie eine Produktionsanlage. Das war unsere sehr willkommene Lösung. Da Markus der ist, der telefonieren kann, konnte er in kürzerer Zeit alles ausmachen, dass wir bei ihnen produzieren. Fabio und ich hätten ewig lange Mails hin und her schreiben müssen. Wir sind da Max und Georg von The Duke sehr dankbar, dass sie uns da so unterstützt haben.

Dann kam der große Tag. Die ersten 500 Flaschen mit neuem Design sollen produziert werden. Von Duke kam der Gin und von uns der Gillard. Keine Stunde hat es gedauert und die Produktion war fertig. Wir hätten für 500 Flaschen händisch einen Monate gebraucht. Dank Markus konnten wir schnell viele Fragen klären und die Zulieferer schneller organisieren.

Und so konnten wir frisch versorgt mit Ware wieder verkaufen. Der Online-Shop kam und die erste große Messe. Wir waren nervös. Kommt der GinGillard bei der breiten Masse an? Food&Life Messe sollte da unser Testfeld werden. Ziemlich versteckt am Ende der großen Messehalle waren wir stationiert mit 300 Flaschen und coolen Designs von Dominik. 5 Tage später und wir waren ausverkauft. Wir waren sprachlos. Wir konnten Menschen überzeugen, die Gin nicht mochten und konnten auch Gin-Kenner mit dem Gillard faszinieren. Tausende Verkostungsproben gingen über die Theke und fast nie wurde die Wirkung verfehlt. Ich habe noch nie so viele funkelnde Augen gesehen. Markus und ich wussten, dass wir auf dem richtigen Pfad sind.  

Man merkte, dass die Messebesucher die Flasche mochten, da gleich darauf vermehrt Bestellungen online eintrudelten. Leider ging es zu gut. Wir hatten keine Ware mehr und produzieren konnten wir erst wieder in Februar.

2020 sollte daher unser Jahr werden. Februar kam die nächst größere Produktion mit 1000 Flaschen. Wir waren bereit in jeden Laden zu stehen. Nur Corona machte da einen Strich durch unsere Rechnung. Seither kämpfen wir um jede Bestellung online, da es der einzige Ort ist, wo wir noch verkaufen können. Wir hoffen, dass mit dem Sommer die Läden wieder aufmachen können und gemeinsam mit Aqua Monaco, Giesinger Bräu, Goldberg, TheDuke und Eizbach die Bars versorgen können und das Jahr 2020 zu dem Jahr machen können, wo TheGillard den Markt erobert.

Drei Jahre und viele Kommunikationsbarrieren später haben wir immer noch unser Feuer. GinGillard ein erfrischende und prickelnde Spirituose auf Gin Basis. Ein Gillard keinesgleichen.